Donnerstag, 22. Juli 2010

SCMT 24h-Lauf Berlin, 17./18. Juli 2010









Ich bin noch ganz überwältigt von diesem tollen Lauf, das war ein Erlebnis, was noch sehr lange nachwirkt. Das Siegerehrungsfoto gibt es gleich am Anfang dieses Berichts, denn es war wirklich sehr besonders, dass es drei Siegerinnen gab! Aber der Reihe nach:
Beim Aussteigen im Hauptbahnhof Berlin bin ich von der Hitze am Freitag völlig erschlagen und denke "Du spinnst, bei so einem Wetter läuft frau gar nicht und schon gar nicht 24 Stunden". Es waren so ca. 37 Grad und die Klimaanlage im Zug war auch teils ausgefallen. Nun ja.
Ich quartierte mich im Hotel direkt vis-a-vis des Stadions in Berlin-Weissensee ein und ging dann am frühen Abend zum Startbereich. Dort empfing mich der Organisator Klaus Schulz mitsamt seinen HelferInnen vom Sri Chinmoy Marathon Team sehr freundlich - und ich kam in den Genuß eines sehr guten Abendessens (Nudeln mit leckerer Soße und Salat).
In der Nacht gab es aber ein schönes Gewitter, der Regen setzte um 11 Uhr aus und um 12 sind wir gestartet - wie ersichtlich, auf nassem Asphalt, der dann bald zu dampfen anfing.


Von Anfang an lief ich zusammen mit Luzie, einer Läuferin aus Berlin, die schon mehr Erfahrungen im 24h-Lauf hat als ich. Wir waren ein gutes Gespann, haben erstaunlich viel Gemeinsamkeiten und geteilte Interessen festgestellt und so vergingen die Stunden wie im Flug.



Es war ein richtig gutes und schönes Miteinanderlaufen, vielen Dank dafür, Luzie!


Mir ging es richtig gut, die Runde, die etwas länger als 1 km war, fand ich recht abwechslungsreich: nach dem Verpflegungsstand ging es etwa 200m ganz leicht bergauf, gut um dort eine Gehpause einzulegen. In der oberen Ecke befand sich die Sporthalle, in der ich meine Wechselkleidung deponiert hatte (ich musste aber gar keine Kleidung wechseln und habe die Halle nur aufgesucht, um zwischendurch scheuergefährdete Stellen nachzuschmieren). Dann kam eine Rechtskurve und wir liefen entlang zweier Sportplätze und einer Sporthalle, deren kleines Außengelände am Samstagnachmittag durch Familien belebt war. Hier stand eine riesige aufblasbare Wasserrutsche, die ich sehr gern mal runtergerutscht wäre. Dann gings wieder rechts rum, links und rechts standen Bäume, es folgte ein Beachvolleyballfeld, wo aber niemand spielte. Dann ging es ein bisschen kurvig weiter mit viel Grün, bevor wir dann auf der linken Seite die Zelte der LäuferInnen und BetreuerInnen passierten, und dann waren wir auch schon wieder im Bereich des ZählerInnenzeltes und der Verpflegung.

Es wurde dann im Laufe des Nachmittags recht warm, so dass ich in fast jeder Runde dankbar die aufgestellte Wanne mit Schwämmen nutzte und auch zwischendrin immer mal unter dem Waschbecken auf dem Damen-WC Gesicht und die Unterarme minutenlang unter kaltem Wasser kühlte.


Die Sonne schien dannd doch ganz schön stark und ich war froh, mich ordentlich mit Sonnenmilch eingeschmiert zu haben.
An Getränken in reicher Auswahl mangelte es nicht, es gab einfach alles (Wasser still und sprudelnd, Elektrolyt, Cola, verschiedene Säfte, alkoholfreies Bier, später kamen mehrere Teesorten dazu, ausserdem Brühe und morgens Kaffee). Auch zu essen gab es reichlich, angefangen vom Üblichen wie Obst und Riegel, aber dann auch alles Erdenkliche an Süßem (Schokolade, Gummibärchen, Kuchen), Salzigem (Salzstangen, Nüsse etc.). Und natürlich auch warmes Essen, wie Karotten mit Kartoffeln, Nudeln, Suppe mit Reis - einfach alles. Unglaublich, was das Sri Chinmoy Marathon Team da auffährt. Und das die ganze Nacht hindurch, wie das folgende Foto zeigt:
Um Mitternacht schickte Klaus Schulz dann die 12-Stunden auf die Strecke, so dass es jetzt etwas belebter wurde.
Unterhaltung an der Strecke gab es auch, im Bereich der ZählerInnen aus der "Dose", meistens meditative Musik aber auch Folkloristisches in sehr angenehmer Lautstärke. Und über viele Stunden gab es auch Live-Musik eines Duos, teils unterstützt durch einen Sänger, die mit Steeldrum und Akkordeon musizierten. Ich glaube, dass sie überwiegend Lieder von Sri Chinmoy spielten, der ja sehr viel komponiert hat.
Mir wurde jedenfalls nie langweilig und ich war jedesmal übierrascht, was ich alles an Neuem auf jeder Runde sah - und wunderbare Unterhaltung hatte ich ja dank meiner Mitläuferin Luzie.



Interessant war auch, dass wir zwischendrin immer mal dachten, völlig alleine auf der Runde zu sein und dann uns auf einmal wieder in einem Pulk fanden:

Als dann der Sonntag da war und die Nacht vorbei, zeigte sich das Wetter sehr angenehm: bedeckter Himmel, kein Regen und die heftige Hitze war gewichen. Und so liefen wir vor uns hin, mir ging es immer noch blendend und ich war in fast jeder Runde am Essen und/oder Trinken (vermutlich habe ich während dieses Laufes ordentlich zugenommen...).

In jeder Runde kamen wir auch an dem Zählboard vorbei und da sahen wir, dass die dritte Läuferin, Maria, mittlerweile etwas nachgelassen hatte und mit uns fast gleichauf war.
Luzie hatte die geniale Idee, dass wir drei doch mit der exakt gleichen Km-Zahl finishen könnten. Und so fragten wir Maria, auf die wir dann aufgelaufen waren, ob sie damit einverstanden sei - und sie war es!
So liefen wir fortan gemeinsam und vereinbarten, dass Maria und ich um ca. 11.45 Uhr - also eine Viertelstunde vor Rennschluss - mitsamt der Schlußfahne im Bereich der ZählerInnen auf Luzie warten würden. Sie hatte nämlich eine Runde Rückstand, nachdem sie sich am frühen Morgen die Füße wegen Blasen hatte verarzten lassen.
Gesagt, getan - Luzie lief ihre letzte Runde und wir nahmen sie dann wieder in Empfang, um uns auf die letzten Triumph-Meter zu begeben.

Diese letzten Meter legten wir gemütlich gehend und reichlich euphorisiert zurück und als dann die Schlußsirene ertönte, setzten wir uns mitsamt unseren Fahnen auf den Boden, nachdem wir uns erst einmal in die Arme gefallen waren.





Dann gingen wir uns duschen und versammelten uns mit allen MitläuferInnen und HelferInnen zu einem leckeren "Post-Race-"Essen, das wieder sehr gut war. Und dann wurden wir alle drei als Siegerinnen des Self Transcendence 24h-Laufes von Berlin 2010 geehrt. Wir hatten jeweils 151,002 km geschafft. Ich bekam zusätzlich noch einen Blumenstrauss für die Vollendung meines 100. (Ultra)marathons. Und zum Schluß stellten wir uns alle noch zu einem Schlußfoto auf. Danach waren wir dann doch alle so müde, dass wir uns auf den Heimweg machten - für mich hieß das nur: einmal über die Strasse ins Hotel.




Für mich war das ein ganz besonders schönes Erlebnis, schon mein erster 24h-Lauf letztes Jahr in Reichenbach hat mir viel Freude gemacht. Und ich hoffe sehr, im kommenden Jahr wieder einen solchen 24h-Lauf machen zu können - gern wieder den SCMT - Lauf in Berlin, der in diesem Jahr leider nicht sehr viele TeilnehmerInnen hatte (17 bei den 24h, 19 bei den 12h).

Sonntag, 4. Juli 2010

Nachtmarathon Marburg, 2. Juli 2010

Heiß, heißer am heißesten....
war es diesmal beim Nachtmarathon in Marburg. Klar, bei einem Juli-Marathon ist es eigentlich in der Regel immer so, aber Temparaturen von über 30 Grad sind doch etwas Besonderes.
Aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse!
Schon in den letzten Jahren bin ich in Marburg gelaufen und war eigentlich ganz beruhigt, weil die Versorgung gut ist.
Zu laufen sind zunächst eine 11 km-Runde Richtung Norden gefolgt von drei Runden a gut 10 km Richtung Süden. Die Lahn ist ständige Begleiterin, oft sehen wir sie, oder aber sie verschwindet kurz mal hinter Bäumen.
Der Start auf dem historischen Marktplatz in Marburg ist stimmungsvoll, allerdings müssen wir das erstmal raufkraxeln. Aber das ist der einzige Anstieg, ansonsten bleibt alles recht flach.
Von Anfang an habe ich jeden Schwamm und viele Wasserbecher benutzt, um mich ordentlich nass und kühl zu halten, das war gerade auf den ersten beiden Runden, wo die Sonne noch schien, sehr ratsam. Als es dann dunkelte, wurde es nicht richtig kühl, so um die 25 Grad blieben es wohl noch.
Langweilig wurde es nie, alleine das Schwinden das Tageslichts lässt jede Runde anders erscheinen. An den Verpflegungsstellen war viel los, inklusive persönlicher Becher-Anreichung und einmal gab es auch Duschen von oben - sehr gut!
Ein kleines Stück in jeder Runde wird "durch die Pampa" gelaufen, hier haben sich die Veranstalter dieses Jahr etwas sehr Nettes ausgedacht: eine Lichterschlange, per Generator betrieben, als Wegweiser. Das war wirklich schön.
Ein Großteil der Strecke verläuft über Wirtschaftswege durch die Lahnauen, ansonsten laufen wir ein Stück durch Marburg und durch das nahegelegene Gisselberg.
Ich finde immer besonders die letzte Runde toll, dann ist das für mich als langsame Läuferin nämlich wirklich ein echter Nachtmarathon: stockdunkel, nur der Mond (diesmal der halbe) am Himmel, Sterne, Glühwürmchen, Frösche, die quaken und allerlei Geraschel im Gebüsch. Die Verpflegungsstände sind hell ausgeleuchtet, teils auch mit Fackeln oder Kerzen geschmückt und dann gehts wieder ins tiefe Dunkel. Eine Stirnlampe ist nicht nötig, beim dritten Mal Durchlaufen ist die Runde ja bekannt.
Der Zieleinlauf ins Stadion ist auch schön, die auch noch zu später Stunde warmen Duschen sind toll und es sitzen noch recht viele Leute da, die die Sommernacht genießen.
Fazit: ein Marathon (oder auch Halbmarathon) für LäuferInnen, die Hitze mögen und ein bisschen "Biel-Feeling" nacherleben möchten.